Düsseldorf (ifors), es ist Donnerstag Nachmittag und wir begeben uns nach Düsseldorf-Gerresheim. In einer örtlichen Pizzeria haben wir uns mit Johannes „John Dehre“ Zettel verabredet. Als wir dort ankommen sitzt der 33-jährige Bayer mit Trainingsstandort in Nordrhein-Westfalen legere mit Sonnenbrille und Cap auf einem der zahlreichen Aussensitzplätze des „Bella Vista“ in der idyllischen Heyestrasse. Wer Gerresheim kennt, der weiß, dass die Heyestrasse nicht im geringsten auch nur ansatzweise „idyllisch“ anmutet und das Bella Vista nicht der Inbegriff eines Sternerestaurants ist. Dennoch treffen wir hier auf einen Ravernalisten, der im Ravernsport alles miterlebt hat was es bisher zu erleben gab. Er ist zweimaliger und amtierender Team-Weltmeister und kennt trotzdem die Niederungen des Ravernsports. Den „Kaffeesatz des Ravernsports“, wie er es selbst nennt, musste der gebürtige Regensburger in der abgelaufenen Saison aus nächster Nähe begutachten und wir merken ihm im Gespräch deutlich an, dass er an dem Ergebnis und Platz 14 in der Gesamtwertung der PRO.Tour zu knabbern hat. 22 Tage vor der Abreise ins Mekka des Ravernsports erzählt uns Johannes Zettel wo es für ihn hingehen soll.
Ravernale.com: Hallo Herr Zettel! Schön dass sie die Zeit gefunden haben sich mit uns zu treffen und uns hier Rede und Antwort zu stehen!
Johannes Zettel: Ja sehr gerne! Neben dem Training und der Düsseldorfer-Couch bleibt mir aber tatsächlich wenig Zeit für Pressetermine. Die Vorbereitungen auf die Ravernale laufen ja bekanntlich auf Hochtouren, und meine Ämter im Marketing und der PR-Abteilung der IFORS fordern ihren Tribut. Aber ich freue mich dass es geklappt hat und wir hier im schönen „Bella Vista“ zusammenkommen konnten.
Ravernale.com: Gleich zu Beginn eine wahrscheinlich eher unangenehme Frage… Wie sind sie ganz persönlich mit ihrem Abschneiden in der abgelaufenen Saison zufrieden?
Johannes Zettel: Wissen sie, es ist wirklich nicht einfach, wenn man bemerkt, dass das Training welches man tagtäglich betreibt in keinerlei Relation zum tatsächlich erbrachten Ertrag steht. Ich bin gelinde gesagt schon äusserst enttäuscht von meiner persönlichen Leistung und habe nach dem Tour-Ende erstmal versucht komplett abzuschalten, habe mich anderen Dingen gewidmet. Vor einer Woche bin ich wieder ins Training eingestiegen und möchte jetzt wieder weiter vorne angreifen. Aber mit dem Abschneiden in der letzten Saison kann und darf ich nie im Leben zufrieden sein. Ich muss es eher als Warnschuss sehen.
Ravernale.com: Von anderen Ravernalisten werden immer wieder die selben Namen als Favoriten auf den Titelgewinn im Einzel genannt. Glauben Sie, dass „El Rancho“ Kittel den Titel verteidigen kann, oder gibts für Sie da einen anderen Favoriten?
Johannes Zettel: Der Kittel Roland ist einer, der wirklich eine herausragende Technik hat, aber ob er den Titel verteidigen kann? Ich weiß es nicht. In Santa Margalida gelten wirklich andere Gesetze. Schon allein die Mitteldistanz liegt ja in der Nähe der Tour-Langdistanz. Ich weiß, dass Detti (Matthias Dettenhofer, Teamkollege von Johannes Zettel, Anm. der Redaktion) ein konstanter Werfer ist, der es immer im Kreuz hat ganz vorne einzugreifen. Aber je länger ich überlege kommen mir auch Namen wie Tobias Engel in den Kopf. Wenn er seine Nerven an der Linie unter Kontrolle bringt, ist er ein Top-Favorit auf den Titel. Oder Andres Hubero, der in den diversen Turnieren konstant werfen kann. Mit Tom Hook habe ich letztlich sicherlich auch den Tourgewinner auf der Liste. Sebastian Teufel kann man ebenfalls eigentlich permanent zum Kreis der Aspiranten zählen. Sie merken schon… Es ist für mich sehr schwer zu sagen wer es wird. Ich denke El Rancho hat keine Chance den Titel zu verteidigen. Zudem gibts ja den bekannten Ikarus-Effekt bei den Weltmeistern… (grinst)
Ravernale.com: Neben der Einzelwertung gewinnt ja die Team-Wertung immer mehr an Prestige und niemand polarisiert da so extrem wie Ihr Team, der RCMM! Glauben Sie, dass der RCMM den Titel-Hattrick anvisieren kann, oder gibts da wie in der Tour ein eher zurückhaltendes Ergebnis?
Johannes Zettel: (lacht laut)… Klar! Der Titel geht nur über den RCMM. Es wäre ja auch schon sehr bescheuert, wenn der einzige, zweifache und amtierende Weltmeister nicht den Titel als Ziel ausgeben würde. Wenn wir uns nur alle drei ordentlich zusammenreissen und an einem Strang ziehen, uns auf die richtige taktische Aufstellung einigen können und unsere Stärken besser bündeln können, dann haben wir sicherlich wieder eine Chance auf den Titel. Aber es wird mit der Aufstellungsreform sicherlich schwieriger den Titel zu holen. Ich sehe eigentlich vier Teams gleichauf… Bis auf die Schubkramento Kings, die ja äusserst dezimiert anreisen, dürfte eigentlich so gut wie jedes Team die Chance auf den Titel haben. Aber wir wollen ihn natürlich ein drittes Mal gewinnen. Da sind wir uns im Team einig und dafür denke ich werden auch Lukas Graf und Matthias Dettenhofer alles geben. Persönliche Interessen, oder die Einzelwertung, denke ich haben wir alle hinten angestellt. Es geht um etwas historisches… Aber das wird schwer genug!
Ravernale.com: Haben Sie sich ein Ziel gesetzt?
Johannes Zettel: Klar denkt man über Ziele nach. In den letzten Jahren konnte ich die eigentlich immer ganz gut erreichen. Mit Platz 4 und 6 in den letzten Ravernalen war ich eigentlich immer ganz zufrieden, auch wenn ich sicherlich gerne einmal eine Einzelmedaille gehabt hätte. In diesem Jahr wäre es mehr als vermessen eine Einzelmedaille als Ziel auszugeben. Ich gehe dieses Jahr voll aufs Team und möchte einfach dass der RCMM sich mit dem dritten Titel sozusagen unsterblich macht und in die Geschichtsbücher des Ravernsports eingeht. Das ist mein Ziel. Alles andere ist nicht relevant.
Ravernale.com: Und auch Ihnen gilt die Frage: Was macht für Sie den Reiz des Ravernsports aus?
Johannes Zettel: Roland Kittel hat das sehr schön umschrieben wie ich es auf Ihrer Webseite gelesen habe… Ich möchte mich nahtlos daran anschliessen. Wenn du im Flugzeug nach Spanien sitzt und am Flughafen schon die Aufregung über das bevorstehende Turnier spürst, die Menschen die herumwuseln und ihr Gepäck am Band holen. Diese wunderbare Internationalität! Wenn man die anderen Sportler dort trifft und mit Ihnen gemeinsam im IFORS-Bus ins Pueblo De Deportes Raverna nach Santa Margalida reist! Wenn man bei der ersten Platzbegehung am Anreisetag den ersten Schritt auf diesen sozusagen heiligen Boden macht, dann steigt einfach das Fieber. Den Höhepunkt dieses Fiebers erreicht man als Athlet dann bei der imposanten Eröffnungsfeier. Das Adrenalin schiesst in deinen Körper und du stehst voller Vorfreude auf dem Main-Court. Wenn sich dann der erste Torgel durch den Abendhimmel dreht und alle gespannt auf Athlet und Ravern starren, wenn man an der Linie steht und einen Wurf abfeuert und im Optimalfall einen Einschlag in der Impact-Zone hört, dann explodieren die Gefühle regelrecht. Dieses Fieber hält dann bis zum Finaltag kontinuierlich an. Es steigert sich sogar! Und wenn man persönlich dann noch die Chance auf einen der begehrten Titel hat, dann ist dieser Ravernsport eine Sucht, der wohl niemand widerstehen kann… Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnungsfeier, wenn der amtierende Weltmeister Roland Kittel nach seiner mit Spannung erwarteten Rede die magischen Worte spricht und somit die Welt in einen Ausnahmezustand verstetzt. „Frisch! Frei! Ravern!“ – Dann beginnen drei Tage, die der Menschheit neue Helden, neue Mythen und nie erwartete Überraschungen und Enttäuschungen bringen. Wahnsinn! Ein Erlebnis für jeden der dabei sein darf und der im Stadion oder zu Hause mitfiebert! Ich freue mich darauf sehr…
Ravernale.com: Vielen Dank für das Gespräch! Einen schönen Nachmittag noch und viel Erfolg beim Training und der anstehenden Weltmeisterschaft.