Vom Tanz mit dem Teufel

Oberrammelfing (ifors), vor kurzem erst hat Sebastian Teufel mit den Schmeiss-Ei High Towers seinen ersten ganz großen Erfolg gefeiert. 11 Tage vor der Ravernale spricht der Angriffslustige Oberpfälzer auf einem Sponsorentermin im wunderbaren Oberrammelfinger Wirtshaus „Zur Post“ mit Ravernale.com, Bürgermeister und Fleischfabrikant Josef Moschner und seiner berüchtigten Tochter Gabi über seine Erfolge, Ziele und lässt dabei kein gutes Haar an seinen Mitstreitern und Konkurrenten. „El Diablo Bavaro“ teilt einmal ordentlich aus: Viel Spaß beim Lesen des Interviews mit dem Vize-Weltmeister von 2009, dem der konstante Erfolg hoffentlich nicht zu sehr zu Kopf steigt 🙂

Ravernale.com: Wie sind Sie mit dem Abschneiden in der vergangenen PRO.Tour-Saison zufrieden?

Sebastian Teufel: Auch wenn ich mit den persönlichen Platzierungen heuer nicht immer ganz zufrieden war, ist das Endergebnis der Saison der absolute Hammer: Zum Ersten ist da natürlich der souveräne  TEAM.Tour-Sieg unserer Schmeiss Ei High Towers zu feiern. Wenn es fürs Team ging, konnte ich zum Glück meine Leistung einbringen und wichtige Punkte für die beiden Team-Siege in Sinzing und München erzielen. Dann bin ich extrem stolz, dass der PRO.Tour-Sieger auch aus meinem Team kommt, Tom Hook hat das wirklich hervorragend gemacht und verdient gewonnen!
Das Minimalziel, noch vor meiner Lebensgefährtin zu landen, habe ich zum Glück erreicht. Da hätte ich mir daheim was anhören dürfen…  Für den ein oder anderen etablierten Ravernist war das ja eine scheinbar unlösbare Aufgabe… (Herr Teufel deutet unauffällig auf das an der Wand hängende Porträt des Ifors-Präsidenten…).
Eine Sache lag mir übrigens persönlich sehr am Herzen: Der Copa Danubia- Titel blieb in Prüfening. Nach der ganzen heißen Luft, die von Sinzing her über die Donau nach Prüfening geblasen wurde, befürchteten die örtlichen Landwirte schon eine lokale Klimakatastrophe!! Um im Wetter-Jargon zu bleiben: Die Schlecht-Werfer-Front aus Viehhausen-Ost donnerte und polterte im Vorfeld großspurig herum, entscheidend eingeschlagen hat es aber nirgends, schon gar nicht in der Ravern. Das Einzige, das man am Schluss hörte, war das dumpfe Geräusch das ertönt, wenn man einen auf den Deckel bekommt.

Ravernale.com: Wird Roland „El Rancho“ Kittel von den Young Boys Ravern seinen Titel verteidigen können? Wer wird Einzel-Weltmeister? Gibt es einen ausgemachten Favoriten?

Sebastian Teufel: Der Favoriten-Kreis ist wie jedes Jahr groß. Den noch amtierenden Weltmeister „El Rancho“ kann man auf den ersten Blick sicherlich dazu zählen. Beschäftigt man sich mit diesem selbstbeweihräuchernden Lautsprecher einmal genauer, kann man nur sagen: Der wird’s wohl nicht. Er ist zwar ein guter Techniker auf der Kurzdistanz bei der Pro.Tour gewesen, bei der Ravernale sind die Distanzen jedoch länger. Ich traue ihm einen entscheidenden Treffer von der Langdistanz nicht zu. Bei seiner letztjährigen Paradedisziplin „Mitteldistanz“ hat er sowieso abgebaut und wenn man die nervliche Belastung berücksichtigt, ist er eh überfordert. Im Vorfeld eines Turniers kann er ja noch erzählen was er will, wenn er aber dann an der Wurflinie des Ur-Ravernodrom steht, wird er spüren, wie seine Knie zittern und merken, welche wahre Last so ein Titel hat. Was ich ihm zutraue ist eine Disqualifikation mit 3 platten Reifen oder ein frühzeitiges Ausscheiden wegen einer angeblichen „Verletzung“…
Einen Top-Favoriten sehe ich derzeit nicht, zumal sich einige vielversprechende Athleten von selbst das Leben schwer machen werden: Der Kunstspringer Dettenhofer sollte nur in Begleitung seiner Eltern ins Ravernodrom, der seit neuestem Pfeife-rauchende, uneheliche Sohn von Nick Knatterton Lukas Graf ist schon bei der Auswahl seiner zigtausend Accessoires überfordert und Andi Huber riskiert mit seinen 20kg Torgel jedes Mal eine Sehnenscheidenentzündung.
Bessere Chancen auf den Titel hat selbstverständlich mein Teamkollege Tom Hook, der mit dem Selbstvertrauen des Toursiegs an den Start geht. Als gefährlichen Außenseiter sehe ich den Ravernale-Rookie Jörn Schimmel, da er unbeschwert und mit einer passablen Technik ins Turnier starten kann. Tobi Engel wird in der oberen Hälfte landen, für den Titel fehlt ihm die Konstanz, auch wenn er beim Pro.Tour-Abschluss triumphieren konnte. Tobi „Lugge“ Ludwig und Dr. Udo Brome sind zu einer Überraschung in der Lage, Hansi Zettel nagt, wie man hier in seinem Interview lesen konnte, immer noch an der verkorksten Pro.Tour Saison und wird komplett von der Rolle sein.

Ravernale.com: Kann der RCMM seinen dritten Teamweltmeister-Titel holen, oder bestätigt sich der Trend aus der TEAM.Tour? Wer wird Team-Weltmeister? Gibt es einen ausgemachten Favoriten?

Sebastian Teufel: Am 14.August 2013, nachdem der neue Teamweltmeister feststeht, wird sich der RCMM wohl endgültig auflösen wollen. Da brodelt es ja schon seit der TDM gewaltig und ihre taktische Aufstellung sorgte ja schon bei der Pro.Tour oft für große Erheiterung. Die klammern sich nur noch an ihre vergangenen Taten. Das Einzige, was die noch zusammen hält, ist ihr neues Hobby: Das fieberhafte Tüfteln an ihrer diesjährigen, strenggeheimen Verkleidung. Die Imitation von Balljungen bei den Australian Open ist ihnen bei der Pro.Tour sehr gut gelungen. Chapeau! Ich bin sehr gespannt, was sie sich diesmal ausdenken. Vielleicht kommen sie ja heuer als Tick, Trick und Track oder als Jacob Sisters, das würde dann wenigstens zu ihrer sportlichen Darbietung passen.
Bei den HuBi Hus fehlt der Ober-Hu Franziskus Rupp und somit der mentale Führer und Motivator. Deshalb wird es für die beiden nicht für ganz oben reichen.
Die Jungs von YMCA müssen wohl zunächst einmal ihren mental komplett indisponierten Vorstadt-Cowboy wieder aufbauen, indem sie sich ihren Team-Namen im Gentlemen-Style immer und immer wieder ekstatisch vortanzen. Von sportlicher Konkurrenz ist da dann aber wirklich keine Rede mehr.
Was der vereinsamte Schubkramento King Lugge leisten kann, wird man erst bewerten können, wenn man über eine mögliche Extra-Regelung Bescheid weiß.

Ravernale.com: Wie bereiten Sie sich auf die Weltmeisterschaft vor? Wann reisen Sie genau an?

Sebastian Teufel: Die Anreise erfolgt zusammen mit Tom Hook am Samstag, scheinbar sitzen in der Maschine aber auch noch andere Athleten. Die genaue Vorbereitung bleibt wie das Outfit der Zirkustruppe RCMM streng geheim.

Ravernale.com: Haben Sie sich persönlich ein Ziel für die kommende Ravernale 2013 gesetzt, wenn ja welches?

Sebastian Teufel: Es wird sicher schwierig, den überragenden 3. Platz vom Vorjahr zu wiederholen. Ich werde meinen Platz im Klassement schon finden. Nach meiner Auszeit, die ich mir nach der Geburt meines Sohnes Theo nahm, muss ich erst einmal meinen Platz im Feld finden. Welche Nummer abschließend vor meinem Namen steht, kann ich jetzt wirklich nicht sagen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, so schnell wie möglich in die Spur zu kommen und mir eine gute Ausgangslage für den finalen Doppel-Durchgang am 14. August zu schaffen.
In der Team-Wertung sind wir Schmeiss Ei High Towers wohl bei vielen Buchmachern auf Platz 1 gesetzt. Das Team hat bewiesen, dass es gut zusammengestellt ist: Tom Hook als Experte für Kurz- und Mitteldistanz und ich als Langdistanz-Scorer. Bei der Pro.Tour haben  wir mit unseren taktischen Aufstellungen meist das Maximum an Punkten fürs Team herausgeholt. Ich hoffe, dass uns das wieder gelingt. Sollte das der Fall sein, kann es weit nach vorne gehen.
Ein großer Wunsch von mir ist es übrigens, dass der Wettkampf fair abläuft, allem Vorgeplänkel und aller Konkurrenz zum Trotz.

Ravernale.com: Was macht in Ihren Augen den Reiz des Ravernsports und insbesondere der Ravernale in Santa Margalida aus?

Sebastian Teufel: Der Ravernsport hat es innerhalb weniger Jahre geschafft, aus einer spontanen Idee eine Bewegung zu werden, die mittlerweile enorm viele Anhänger hat. Allein die abgelaufene Pro.Tour-Saison hat mit gut 50 Athleten eine Rekord-Teilnehmerzahl erreicht, die ein klarer Beleg dafür ist, dass der Ravernsport großes Potential hat und bei den Menschen ankommt.
Die Faszination des Wettkampfs und die Geschichten, die dieser Sport schreibt, sind das, was jedes Sportlerherz höher schlagen lassen.
Ich bin vor allem von der Entwicklung begeistert, die der Ravernsport noch vor sich hat: Die mediale Professionalisierung, die mit Engagement vorangetrieben wird, nimmt fantastische Züge an. Die Pro.Tour 2013/14 wird wieder sehr attraktive Turniere aufbieten und die Saison noch spannender machen. Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Ravernsport wurde mit der Gründung der Ravern Academy begonnen. Mit Hilfe dieser Einrichtung sollen die Athleten anhand von Forschungsergebnissen noch bessere Leistungen bringen können.
Ich freue mich auf die Zukunft. Ravernfan, was willst Du mehr…