Endlich: Zenisek triumphiert in Pentling

von Sebastian Teufel

„Mama, was ist das?“

Diese Frage stellen Kinder gerne. Die Antwort auf diese Frage hilft Kindern, ihre Umwelt besser kennenzulernen oder auch Fremdartiges besser zu verstehen. Und genau so etwas Fremdes, sehr Seltenes sah am vergangenen Samstag so manches Kind zum ersten Mal in seinem Leben:

Ein Prüfeninger gewinnt ein Ravernturnier.

Nach einer schier endlosen Durststrecke von fast VIER Jahren konnte sich endlich wieder ein Prüfeninger an die Spitze setzen. Seit dem Sieg von Sebastian Teufel im Schlossgarten am 22. Oktober 2016 gelang dies nicht mehr.

Falls das Langzeitgedächtnis jetzt versagt, hier ein paar Hilfen zur zeitlichen Einordnung:

Wenige Monate vorher stimmten die Briten für den Austritt aus der EU … vier Wochen zuvor trennten sich Brad Pitt und Angelina Jolie … zwei Wochen später wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt und kurz darauf Nico Rossberg (wer ist das?) Formel 1-Weltmeister.

Verdamp lang her…  (sang schon BAP).

Für dieses seltene Kunststück und den ekstatischen Freudentaumel im prüfeninger Lager sorgte ein Ravernist, der schon häufig knapp und zum Teil höchst dramatisch am Sieg vorbeischrammte: Stefan Zenisek.

Doch der Reihe nach…

Nach langer Unterbrechung war es endlich wieder soweit. Die im Oktober 2019 gestartete Saison konnte endlich fortgesetzt werden. Zum ersten Mal überhaupt machte der Raverntross in Pentling Halt und die äußeren Bedingungen waren wie bestellt: Herrliches spätsommerliches Wetter und ein wunderbar gelegenes Ravernodrom bildeten einen perfekten Rahmen für das zweite Turnier der PRO.Tour-Saison 2019 – 21.

Die IFORS hatte vorgesorgt und ein Hygienekonzept vorgelegt, dass das Turnier trotz Corona ermöglichte.

Offensichtlich hatten viele Athleten ihre Hausaufgaben gemacht und sich während der langen Pause fit gehalten, denn so mancher legte gleich los wie die Feuerwehr. Auf der Kurzdistanz folgten zwischenzeitlich neun Treffer am Stück, die Ravern erklang fast so stetig wie das Mittagsläuten der Dorfkirche (Nutz/Teufel/Hook). Bis auf zwei Athleten trafen alle mindestens einmal auf der Kurzdistanz. Für ein Novum im Ravernsport und allgemeine Verwunderung sorgte derweil der neue Wurfstil von Stefan Zenisek. Die von ihm als „Zahnsack-Flop“ bezeichnete Sprungtechnik beim Abwurf verstieß aber nicht gegen das geltende Regelwerk und wurde daher nicht beanstandet.

Bei der Mitteldistanz deutete sich bereits an, dass es die Prüfeninger an diesem Tag ernst meinten.  So führten nach sechs Würfen mit Zenisek (6 Punkte und jetzt wieder ohne Sprungeinlage), Teufel, Franziskus Rupp (beide 5) und Tobias Engel (4) vier von ihnen das Feld an.

Die Prüfeninger Phalanx hielt fast bis zum Ende des ersten Durchgangs, lediglich Thomas Hook konnte mit Rupp und Zenisek Schritt halten. Alle drei starteten den zweiten Durchgang mit acht Punkten auf ihrem Konto. Von den üblichen Titelaspiranten war noch sehr wenig zu sehen. Andreas Nutz, der Gewinner des ersten Turniers in Mariaort, begnügte sich noch mit drei Punkten, die weiteren sinzinger Asse wie – die sensationell in die Saison gestartete – Christiane Kittel, Leo Jakob oder Ravernsuperstar Roland Kittel hatten (noch) ihre Schwierigkeiten.

Im zweiten Durchgang fanden nun weitere Athleten zu ihrer Form und zeigten starke Leistungen. Sebastian Leissle traf ebenso wie Nutz dreimal von der Kurzdistanz. Aber auch in der Spitze wurden weiter fleißig Punkte gesammelt.  Vieles deutete auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Lokalmatador Zenisek, Hook und Rupp hin (alle 10 Punkte nach der Mitteldistanz). Das kleine „Pflänzchen Hoffnung auf einen prüfeninger Erfolg“ wuchs langsam immer mehr heran.

Aber ehe man sich versah, tauchte plötzlich – wie immer in den letzten vier Jahren – von irgendwo her ein Sinzinger „Rasenmäher“ auf. Die Maschine trug den Namen Leo Jakob und schickte sich an, mit zwei schnellen Langdistanz-Treffern das „prüfeninger Hoffnungspflänzchen“ mal wieder zurechtzustutzen. Er übernahm mit 12 Punkten die Führung. Prüfening schaute blöd, aber man hatte es ja auch schon irgendwie erwartet…

Hook und Rupp konnten ihr Punktekonto auf der Langdistanz nicht mehr erhöhen und mussten Jakob passieren lassen. Tobias Engel zog ebenfalls mit einem Treffer an den beiden vorbei (11 Punkte). Doch alle Augen richteten sich nun auf Zenisek. Er hielt dem Druck tatsächlich stand und eroberte mit einem Langtreffer die Führung zurück (13 Punkte).

Beim abschließenden Bonuswurf erwachte zunächst Roland Kittel Dank des Weckrufs seiner Tochter aus seinem Ravern-Corona-Winterschlaf und sendete mit einem Ultradistanztreffer ein deutliches Lebenszeichen. Den einzigen weiteren und somit letzten Treffer des Tages verbuchte der bärenstarke Debütant Holger Müller (insgesamt 8 Punkte)

Und danach war klar, dass Zenisek das schaffte, woran er schon so oft knapp gescheitert war: Einen Sieg bei einem Ravernturnier.

Zahnsack-Flop und Heimvorteil? War das seine Erfolgsformel? Oder war es ein Faktor, der auch schon vor vier Jahren beim letzten prüfeninger Sieger Sebastian Teufel half: Mama, warst das Du?

Pentling 2020 – In Zahlen:

Ergebnisse

MannschaftTeilnahmeRundenKurz 1Mittel 1Lang 1Bonus 1Kurz 2Mittel 2Lang 2Bonus 2Total
Andreas Bromberger12203002007
Andreas Nutz12300032019
Axel Wiegard12100020003
Christiane Kittel12100010002
Franziskus Rupp121403020010
Holger Müller12120010318
Katharina Engel12000010001
Leo Jakob121200126012
Lukas Graf12000012003
Roland Kittel12100012059
Sebastian Leissle12100030307
Sebastian Teufel12320020007
Stefan Zenisek122402203013
Thomas Hook123032200010
Tobias Engel122200223011

Ergebnisse

MannschaftTeilnahmeRundenKurz 1Mittel 1Lang 1Bonus 1Kurz 2Mittel 2Lang 2Bonus 2Total
Schmeiss Girls00000010001
Munich Marble Ravengers00003210006
One Wheel Raverneers003200320111
Rat Pack00020002004
RC Sinzing 04 – Die Schwanzer003400200110
Leissle All Stars00000000000
Schubkramento Kings00000020002