Regensburg (jz), man mag vieles über den Ravernsport denken. Eines jedoch kann dieser Sportart nicht abgesprochen werden: Die Spannung. So unspektakulär man das Saisonfinale erwartete, so nervenaufreibend wurde es am Ende des Turniers auf der Tartanbahns des Stadions am Weinweg in Regensburg.
Sebastian Teufel von den Schmeiss-Ei-High-Towers ging mit satten fünf Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Stefan Zenisek ins letzte Turnier der Saison. Auf Roland „El Rancho“ Kittel waren es sogar deren sechs. Und so nahmen die meisten der 15 Athleten bei klirrender Kälte im Stadion am Weinweg schon fast als gesetzt hin, dass der Prüfeninger Traditionstorgler in diesem Jahr nach zwei Vize-Meistertiteln in den vergangenen Jahren endlich seine wohlverdienten Lorbeeren einheimsen sollte.
Das Ravernodrom schien für ein würdiges Finale wohl gerüstet. Und so starteten an diesem besonderen Ort drei Ravernisti um 11 Uhr in ihre Jubiläumsrunde. Sebastian Teufel, Lukas Graf und Johannes Zettel standen da zum 50. Mal am Beginn einer neuen Runde. Zu den Ravernsport-Urgesteinen gesellte sich am Nachmittag dann auch noch Thomas Hook, dem nur die Copa-Danubia aus dem Jahr 2012 in seiner Ravernsport-Historie fehlt. Ein Debüt konnte der Ravernsport an diesem kalten Dezembermorgen aber ebenso feiern: Kathrin Kammermeier eröffnete das Turnier und konnte direkt mit ihrem ersten Treffer auf der Kurzdistanz aufwarten.
Seine Jubiläumsrunde nicht bemerkend startete Johannes Zettel zunächst mit zwei Treffern auf der Kurz und sah zufrieden drein. Kurz darauf konnten mit Lukas Graf und Mustafa Abbas zwei Ravernisti mit den ersten Hattricks des Tages aufweisen. Roland Kittel, der in dieser Saison so ziemlich alles mitgenommen hat, was man an Verletzungen und Mißständen mitnehmen kann, startete mit einem Punkt auf die Kurzdistanz. Dem Toursieg von Sebastian Teufel schien bis da hin nichts im Weg zu stehen. Stand er nach der Kurzdistanz sogar noch weiter vorne als ohnehin bereits.
Der Rest des ersten Durchgangs war geprägt von vielen Fehltreffern. Insgesamt nur noch drei weitere Treffer notierten die Punktrichter. Nämlich die von Roland Kittel auf Mittel- und Langdistanz und den 2-Punkte-Treffer des führenden Sebastian Teufel. Nach dem ersten Durchgang im Stadion am Weinweg betrug der Vorsprung von Teufel weiterhin satte 5 Punkte.
Wer aber nach einem etwas ereignisarmen ersten Durchgang mit einem langweiligen zweiten Durchgang gerechnet hatte, sah sich schnell getäuscht. Erwartungsgemäß schlugen im Nachmittagsdurchgang die Torgel weit häufiger in der Ravern ein. Lukas Graf, Sebastian Teufel und Roland Kittel sorgten für satte neun Treffer in Folge auf der Kurzdistanz. Und immer noch: Fünf Punkte Vorsprung für Sebastian Teufel. Sein Triumph rückte näher. So die einhellige Meinung.
Doch dann: Die Mitteldistanz. Die einstige Paradedistanz des Ex-Weltmeisters und Ex-Tour-Siegers aus Sinzing. Roland Kittel setzt zu ganz wichtigen vier Punkten an die von null Punkten des designierten Siegers entgegnet wurden. Plötzlich stand Teufel mächtig unter Druck. Ob es dieser Druck oder einfach das Momentum von Kittel kann man nicht beurteilen. Jedoch konnte Roland Kittel fast Hollywoodreif seinen ersten Wurf von der Langdistanz versenken. 5 Würfe vor Beginn der letzten Bonusrunde der Saison schiebt sich Kittel an Teufel vorbei. Schleppt sich der in dieser Saison so angeschlagene „El Rancho“ tatsächlich vor Sebastian Teufel über die Ziellinie? Die Bonuswürfe sollten dies entscheiden. Beide Top-Torgler konnten dabei ihr Punktekonto nicht mehr erhöhen und so war es zum zweiten Mal Roland Kittel, der sich den Tour- und den Turniersieg sicherte. Mit einer grandiosen Turnierleistung von 16 Punkten hatte er Sebastian Teufel in allerletzter Sekunde abgefangen. Der trug es mit Fassung. Auch wenn es bereits das zweite Mal in Folge ein Teamkollege war, der ihm den Toursieg entriss. Ohne Zweifel: Betrachtet man diverse Verletzungen Roland Kittel und die gezwungener Maßen mit links geworfenen Torgel am Sinzinger Biberdamm: ein Titel der nicht höher anzurechnen sein dürfte.
Einen Titel durfte der extrem starke, an diesem Tag aber von einem extraterrestrischen Kittel geschlagene Vize-Teufel aber doch feiern. Der TEAM.Tour-Sieg 2015/2016 geht dabei zum dritten Mal an den Rekordmeister, die Schmeiss-Ei-High-Towers. Dieser stand allerdings auch nur kurzzeitig zur Debatte. Die Aufstellung der Türme war ein weiteres Mal gekonnt gewählt und somit steht am Ende ein souveräner Titelträger mit 8 Punkten Vorsprung vor den Schubkramento Kings.
Ein weiteres Mal kläglich an den eigenen Ambitionen gescheitert: Danubia United alias Manhattan Zündapps. Ob dieses Projekt noch irgendeinen Erfolg hervorbringen wird?? Fraglich. Vielleicht sollten die Jungs vom Isarstrand sich mal auf etwas anderes als Namensänderungen, Merchandise-Artikel und große Töne konzentrieren.
Gratulation an PRO.Tour- und TEAM.Tour-Sieger. Gratulation an Roland Kittel und die Schmeiss Ei High Towers.